Aufruf zur kollektiven Verweigerung politischen Unsinns
Das veränderte politische Klima unter der schwarz-gelben Koalition hat bereits erste Einschnitte zur Folge. So konnte man in den letzten Tagen in Dresden und Berlin sehen, was der Staat vom aktiven Engagement gegen Nazis und deren Gesinnung hält. Die Repressionen gegen Vereine und Initiative, die sich den Nazis entgegenstellen, zeigen wie der Staat auch in Zukunft mit solchem Engagement umzugehen gedenkt.
In Teilen der Öffentlichkeit zeichnet sich zwar Empörung gegen dieses Vorgehen ab. Gleichzeitig verweigern sich jedoch die Protestierenden der konsequenten Kritik des Extremismusbegriffs. Die Extremismusformel als legitimatorische Basis des Vorgehens von Politik, Staatsanwaltschaft und Polizei wird damit von den Kritiker_innen selbst reproduziert und ihre Konsequenzen werden billigend in Kauf genommen.
Hier deshalb unser Aufruf „Gemeinsam gegen jeden Extremismus? Nicht mit uns!“, in dem wir dazu auffordern sich endgültig vom Extremismusansatz zu verabschieden. Rückmeldungen / Mitzeichnungen bitte per mail bis 20.2.2010.
Aufruf gegen jeden Extremismusbegriff 2010 (PDF, 95 KiB)

Buchvorstellung und Diskussion mit der »Projektgruppe Nationalismuskritik« (Frankfurt/Main) und INEX (Leipzig)
Wie normal ist Deutschland als Nation? Ist es Schnee von gestern, noch nach Kontinuitäten des Nationalsozialismus zu suchen? Oder relativiert man dadurch die Shoah? Ist Deutschland ein rassistischer Staat? Oder eine vor allem kapitalistischen Gesetzen gehorchende Nation wie alle anderen auch? Lohnt es also noch, Deutschland als deutsche Nation zu kritisieren? Oder verstellt man damit den Blick für kapitalistische Realitäten? Kann eine Nation überhaupt normal sein, kann Deutschland normal sein? Bücher, Diskussionsveranstaltungen, Demoaufrufe, Zeitschriftentexte, Redebeiträge und Flyer des Jahres 2009 haben gezeigt: das Thema scheint die radikale Linke zu beschäftigen.
Die »Projektgruppe Nationalismuskritik« hat dazu kürzlich unter dem Titel »Irrsinn der Normalität – Aspekte der Reartikulation des deutschen Nationalismus« einen Sammelband herausgebracht. INEX hat die Herausgeber/-innen nach Leipzig eingeladen, ihr Buch zu präsentieren und ins Gespräch über die Normalität Deutschlands zu kommen. Die Buchvorstellung verspricht folgendes:
Die Berliner Republik kam in den nationalen Massenzeremonien während der Fußball-WM 2006 zu sich selbst, heißt: Sie wurde als Nation normal. Seither ist der Status des »neuen« deutschen Nationalismus auf neue Weise fraglich geworden. Wie ist das Verhältnis von Kontinuität und Bruch mit einem altbekannten deutschen Nationalismus und der deutschen Geschichte zu denken, wie die Vermittlung von allgemeinen und besonderen Bestimmungen der deutschen Nation im 21. Jahrhundert?
Die These der Projektgruppe Nationalismuskritik lautet, dass das Normalitätspostulat selbst als ideologisches Grundmotiv des »neuen« Nationalismus zu dechiffrieren ist. Seine Genese gilt es zu begreifen. Das Buch versammelt dem gemäß Beiträge, die aus verschiedenen Perspektiven Aspekte der Konstitution des gegenwärtigen Nationalismus behandeln.
Es soll allerdings nicht nur bei der Präsentation des Bandes bleiben. INEX will bei dieser Gelegenheit mit den Vertreter/-innen der Projektgruppe und dem Publikum diskutieren, was »neu« ist am Nationalismus der Berliner Republik. Es geht darum, die im Zusammenhang der Kritik an den Wendefeierlichkeiten in Gang gekommenen Diskussionen weiterzuführen. Die Fragen sind gestellt, einfache Antworten wird es nicht geben. Umso notwendiger braucht es die Auseinandersetzung. Diese Veranstaltung ist ein weiterer Versuch, sie voranzubringen.
Mittwoch, 6. Januar 2010, 19 Uhr
Conne Island, Koburger Str. 3
Eine Veranstaltung der Initiative gegen jeden Extremismusbegriff (INEX)
Im Dossier der aktuellen Jungle World erschien gerade unser Text zur Kritik eines Antinationalismus, der die deutsche Nation nur im Sinne von Kapitalakkumulation und Standortnationalismus analysiert. Follow the link:
http://jungle-world.com/artikel/2009/44/39686.html
Hier unser Redebeitrag auf der Demonstration „Still not lovin‘ Germany“:
RedebeitragINEX